ERINNERMICH ist eine akustische Installation, die das fragile, begrenzte und stetig wandelbare Wesen von Erinnerung in fünf klanglichen Objekten verkörpert. Präparierte Glaskörper fungieren als Resonanzräume, in denen sich Klangereignisse einschreiben, überlagern und allmählich verfärben. Durch Feedbackprozesse entstehen eigenständige Klangzustände, die sich kontinuierlich verändern. ERINNERMICH thematisiert Erinnerung als fragilen, selbstreferenziellen Prozess – ein permanentes Klingen zwischen Festhalten und Vergessen.
ERINNERMICH 1
ERINNERMICH 1 verkörpert eine im Glas gefangene Stimme, die nach Aufmerksamkeit ruft. Der Klang drängt nach außen, verzerrt sich und verliert im ständigen Senden an Kontur. Wie das Individuum in der digitalen Wirklichkeit geht die Stimme im Überfluss an Informationen unter – präsent, aber kaum unterscheidbar. Das Objekt thematisiert das Verlorengehen des Einzelnen im Rauschen des Netzes und den verzweifelten Wunsch, gehört zu werden.
ERINNERMICH 2
ERINNERMICH 2 repräsentiert die Idee eines Erinnerungsvermögens, das dem menschlichen grundsätzlich fremd ist: ein Gedächtnis, das nicht vergisst. Der Klang verweist auf ein System, in dem jede Handlung potenziell erfasst, archiviert und kontextlos verfügbar bleibt. Das Objekt zeigt die Vorstellung eines totalen, lückenlosen Erinnerns hörbar und stellt sie dem fragilen, selektiven Erinnern des Menschen gegenüber.
ERINNERMICH 3
ERINNERMICH 3 bezieht sich auf den Wunsch, gesehen und gehört zu werden, und übersetzt ihn in die fragile Präsenz einer einfachen Glasscheibe. Das Objekt steht für den Bildschirm als zeitgenössische Schnittstelle: transparent, trennend und zugleich Projektionsfläche. Der Klang wirkt wie eine Stimme hinter Glas – verletzlich, überlagert von fremdem Rauschen, ständig verändert durch das, was auf sie einwirkt.
ERINNERMICH 4
Klangobjekt IV nutzt Fragmente aus Bruckners Locus Iste und Purcells Remember not, Lord, our offences, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Die sakralen Stimmen werden verfremdet und lösen sich aus ihrem ursprünglichen göttlichen Kontext. So zeigt das Objekt, wie moralische Urteile von einer transzendenten Instanz zu kollektiven menschlichen Bewertungen verschoben wurden.
ERINNERMICH 5
Klangobjekt V ist eine persönlichere, biografische Arbeit, die das kollektive Gefühl des digitalen Selbst auszudrücken sucht. Zwischen Nachrichtenströmen und unzähligen Inhalten versucht das Individuum vergeblich, sich sichtbar zu machen – als Mensch, als Künstler, ohne sich für Aufmerksamkeit zu verbiegen. Der Klang spiegelt dieses Schweben wider: fragmentarisch, zögerlich, manchmal übertönt, immer aber präsent. Das Objekt thematisiert den Spannungsraum zwischen Eigenständigkeit und digitaler Sichtbarkeit, zwischen persönlicher Identität und der allgegenwärtigen Forderung, sich selbst ständig zu inszenieren.
weitere Klangausschnitte: